Der Tag der Erwachung
-Der erste Tag in der unbekannten Stadt Menzoberranzan


Anjhaa Ni'Erelith...
...ja, dies ist mein Name und mehr kann ich nicht nennen.


Nicht weil ich es so möchte, aber aus mir unerfindlichen Gründen kann ich mich einfach an keine noch so kleine Winzigkeit in meinen bisher vergangenen Jahren in mein Gedächtnis rufen.

Es ist verwirrend!

Nicht zu wissen wer man im eigentlichen Sinne ist...wie man zu der wurde, die man nun ist... Die Ungewissheit beraubt mich um meine Vergangenheit.
Ich trage Waffen an mir, die ich nicht kenne oder zu verwenden weiß.
Ich weis nicht warum ich einen Harnisch trage, wenn ich doch keine Erinnerungen an Kämpfe oder meine Fähigkeiten habe. Ich weiß nicht, warum ich diese merkwürdigen blauen Male auf der Haut trage. Weiß nicht wie ich zu den schwachen Narben an meinen Armen und Händen komme.
Ich weiß nicht warum mein Schädel sich so anfühlt, als wäre ich mehrmals gegen eine Wand gelaufen. Sollte dies so sein, warum zeigen sich in der Wasserlache zu meinen Füßen keine Schrammen, Verletzungen oder dunkel unterlaufene Flecken?

Wer bin ich ausser meinem Namen und meinem Aussehen?
Wo komme ich her?
Wer ist meiner Familie zugehörig?
Wie komme ich an diesen dreckigen Ort?
Wie in diese seltam abweisende Stadt voller mir gleicher Drow?

Und doch bin ich nicht wie sie!
Sie bewegen sich anders, elegant und doch so, als wären sie ständig bereit sich zu verteidigen...bereit gegen jeden zu kämpfen, der sich Ihnen in böser Absicht nähert. Auch ihre Augen waren anders...wirkten wie Rubine in solch einem intensiven Rot, dass es mir kalt den Rücken hinunter lief. Oder manchen waren rauchig...die der Älteren fast nur noch ein graues Nichts mit einem winzigen Haut der Blutfarbe.
Warum trug ich nicht auch solche Augen?
Warum waren schimmerten meine wie Indigo, so tiefblau wie der Himmel an der Erdoberfläche?

Zwar trug ich ebenfalls wie sie einen Harnisch, darunter einen weichen Lederwams, einen Rock und da drunter eine eng anliegende Stoffhose und meine Füße steckten ebenfalls in teilweise mit Eisen beschlagenen Stiefeln, die mir bis an die Knie reichten... dennoch trugen die Drow alle ein Wappen...deutlich für alle sichtbar. Ich nicht!
Sie trugen ihre Kleidung in den Farben, die auf den Wappen vertreten waren. Ich nicht, ich hatte ja keines!

Auch fand ich das meine Haut heller wirkte, als die derer, die sich auf den Straßen und in den Gassen tummelten...und keiner hatte dieses schwache funkeln kleiner Punkte und feiner Linien auf der Haut.
Was war ich?
War ich wirklich eine Drow?
Gehörte ich mit meinem absonderen Aussehen wirklich in diese Stadt?
Wenn ja, wo war meine Familie? In welchem der vielen unzähligen gut bewachten Häuser und Anwesen?

Je mehr ich darüber nachdachte, was es mit mir und meiner Anwesenheit in dieser Stadt auf sich hatte... desto mehr zweifelte ich an dem Grund meiner Existenz...
Gab es für mich denn sowas wie eine Lebensaufgabe?
Gab es für mich Arbeit?
Konnte ich in dieser Stadt Geld verdienen?
Durfte ich mich hier überhaupt aufhalten?

Wurde ich gesucht?

Wurde ich vermisst?

Machte sich jemand Sorgen um mich?

Oder war man froh mich los zu sein?

Bei diesem Gedanken wurde mir die verzweifelte Situation erst richtig bewusst. Meine Augen fingen an zu brennen, als würde mir jemand Nadeln hineinbohren.
Das Brennen nahm ab, als ich einen kleinen Tropfen klarer Flüssigkeit beobachtete, wie dieser in der Pfütze landete. Immer mehr dieser Tropfen fielen in das verschmutzte Wasser. Einige rannen mir sogar über mein Gesicht hin zur Nasenspitze, um von dort aus zu fallen.
Ich konnte das Wasser aus meinen Augen nicht mehr zurückhalten...ich verlor die Kontrolle vollends, als ich aufschluchzte.

Ungehört von jedem Ohr weinte ich in einer einsamen Gasse leise vor mich hin.

Ungesehen hielt ich meinen Oberkörper fest umschlungen und wiegte mich in Verzweiflung.

Unbeachtet hielt ich mich in einer völlig fremden Welt auf ohne zu wissen wohin ich gehen sollte, konnte oder wollte.

...allein...

...die Verzweifelung nahm mich vollend in ihren Besitz...
 

Der Tag der Erwachung
-Der zweite Tag in der unbekannten Stadt Menzoberranzan


Ich hatte mich dazu entschlossen, das Beste aus meiner Situation herauszuholen.
Das wichtigste war jetzt, dass ich eine Möglichkeit fand mich in dieser Stadt zurecht zu finden, etwas Geld zu verdienen, damit ich mich erst einmal über Wasser halten konnte.

Ich ging ohne auf meine Haltung zu achten durch die Straßen und bemerkte zunächst nicht, dass mir viele Wesen auf der Straße auswichen.
Als ich dann die Reaktionen derer erkannte, die mir meinen Weg, ohne das ich halten musste, freigaben, erkannte ich, dass es fast nur Nichtdrow waren. Goblins schauten mich mit ihren großen schwarzen Augen an, ebenso ihre größeren Verwandten, die Orks. Dunkelzwerge, bei denen man nicht unterscheiden konnte ob Männlein oder Weiblein, wichen mich ignorierend und keines Blickes würdigend aus. Und wenn es Drow waren, die mir entegegenkamen, waren es nur die Männer und Jungen, die mir auswichen.
Äußerlich keine Regung zeigend, war ich erstaunt darüber, dass mir eine Gruppe männlicher Drow ehrergiebig Platz machte, die voll gerüstet sowie in Reih und Glied durch die Straße stampfte.
Ich blieb stehen und schaute zu, wie die Männer weiter marschierten.
Alle von ihnen trugen Wappen unterschiedlichster Art, aber eines prägte sich in meine Gedanken ein. Ich kannte es... hatte es schon einmal gesehen. Nicht hier bei den herumlaufenden Drow...woanders... . Jemand hatte es mir einmal gezeigt und mir erklärt wie es geschaffen wurde und zu wem es gehörte.
Ich schwöre, dass ich es wusste, konnte es aber nicht in Worte fassen.
So sah ich das erste Mal in dieser Stadt etwas, was ich kannte:
Ein Wappen mit einer Spinne, die an jedem Bein eine andere Waffe trug, und die Initialen 'DN'... ...

Als die Gruppe meinen Augen entglitt und ich den Drow nicht mehr erkennen konnte, der etwas mir bekanntes bei sich trug, folgte ich der Straße in die Richtung, aus welcher der Trupp gekommen war. Am Ende stand ich vor einer gewaltigen Treppe vor der Wachposten standen.
Irgendetwas sagte zu mir, dass ich hier nichts zu suchen hatte.
Ich drehte mich auf der Stelle um und ging in die nächste Straße.
Hier gab es schon mehr zu sehen: hier tummelten sich an mehr oder weniger gut zusammengeschusterten Ständen Händler, Handwerker und sonstiges.
Auch ritten hier einige Drow auf merkwürdigen Tieren umher, die ich nie gesehen hatte. Die einen ähnelten einer Eidechse, die ich mal irgendwo gesehen hatte, nur waren diese hier größer und die anderen waren für mich nicht vergleichbar.

Ich bemerkte auch, dass hier fast nur Drowfrauen unterwegs waren, wohingegen auf der anderen überwiegend Männer herum gingen. Hier sah ich sie nur in Begleitung einer Frau und selbst dann liefen sie nur der Frau hinterher und blickten sich nie um.
Meine Situation war schon merkwürdig und irgendwas sagte mir, dass ich, wenn es geht nicht auffallen durfte. Es war nur so ein unbeständiges Gefühl...eine Ahnung...

Als ich auch diesmal wieder am Ende der Straße angekommen war, stand ich plötzlich inmitten einer riesigen Ansammlung von Drow. Ein Blick zurück zeigte mir, dass immernoch welche kamen...in geordneten Truppenverbänden, die sich zielsicher ihren Platz innerhalb der Menge suchten.
Aufgeregtem Tuscheln entnahm ich, dass irgendein Haus eine Strafe erhalten sollte...was auch immer dies bedeuten sollte.

Wie auch immer!
Ich verspürte nicht den geringsten Wunsch mir hier die Beine in den Bauch zu stehen, drehte mich um und ging weiter.
Als ich den Platz verlassen hatte und diesmal in einer Gasse weiterging, bemerkte ich Blicke auf meinem Rücken. Mir stellten sich alle Haare hoch. Ich war unsicher und blickte mich um. Wie erwartet sah ich nichts.
Ein Verfolger in dieser Stadt würde sich wohl kaum offen zeigen.
So ging ich weiter, überlegend, wie ich mich im Falle eines Angriffs verhalten sollte. Ich hatte zwar Waffen, aber mir war auch bewusst, dass ich diese ohne die passenden Techniken nie zu meinem Vorteil würde anwenden können.
Sollte ich wenigstens so tun, als wüsste ich was ich tue?
Und wenn ja, welche Waffen sollte ich wählen?
Langschwert? Kurzschwert? Beide?
Die Dolche?
Bogen? Oder vielleicht doch die Wurfgeschosse?

Sofort war mir klar, dass ich die Wurfgeschosse besser nicht nehmen sollte. Zu schnell würde offensichtlich , dass ich damit nicht umgehen kann. Das gleiche meinte ich auch für die beiden Schwerter und die Dolche, aber irgendwas musste ich im Notfall machen...  
Ich entschied mich dann für die beiden halbmondförmigen Dolche. Mit denen konnte ich aller Wahrscheinlichkeit eher so tun, als wüsste ich wie man die benutzt...aber ob es holf wussten zum jetzigen Zeitpunkt nur die Sterne.

All dies hatte schoss mir innerhalb weniger Sekunden durch den Kopf.
Das Gefühl beobachtet zu werden ließ unterdessen nicht nach.
Was sollte ich machen?
Wenn ich diese doch noch etwas belebte Gasse verließ und in eine geriet wo sich kein Augenzeuge aufielt, dann war ich verloren und hatte keine Chance gegen einen Krieger oder sonstwas. Anderer Seits würde sich mein Verfolger nicht zu erkennen geben.

So tat ich, was ich tun musste...auch wenn es mir zutiefst widerstrebte!


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